Kratzbaum Google

Bei den diesjährigen Medientagen kam Google (mal wieder) ordentlich zum Handkuss. Anstatt über die jahrelangen Versäumnisse heimischer Medienhäuser in der Entwicklung zukunftsorientierter Digital (=Geschäfts-) Strategien offen zu diskutieren tat man das was in jedem intrinsischen Konflikt ersehnte Linderung verspricht – man findet einen Schuldigen. Google eignet sich dafür hervorragend, denn Google ist diametral zu unseren heimischen Medienhäusern höchst erfolgreich und spielt nicht nach den Regeln der Etablierten. Kommt mit wenig Personal in Österreich aus, macht noch nichtmal Werbung außer bei sich selbst, ist persönlich nicht so anwesend wie der ORF (der ist ja “wir”, hab ich zumindest gelesen). Sakrileg. Josef Hader, Georg Schramm und viele andere tolle Kabarettisten sprechen es laufend an – wer sich mit sich selbst nicht beschäftigen kann/will sucht sich ein Opfer das möglichst weit weg ist und regt sich darüber auf. Die da oben, die Amerikaner, irgendwer – aber Hauptsache nicht wir. 

 
Kurz die Fakten: Die Umsätze für Suchwortkampagnen in Österreich werden für 2013 mit 135 Millionen Euro (Quelle Werbeplanung.at Werbespendings Prognose 2013) beziffert. Nachdem Google faktisch außer Konkurrenz agiert werden diese Umsätze wohl genau dort landen. Google belastet den österreichischem Staat in der gleichen Form wie jedes andere ausländische Unternehmen durch fehlende Steuereinnahmen. Dazu sei der Vollständigkeit halber erwähnt, dass auch österreichische Medienhäuser zumindest teilweise auf diese Art steueroptimiert vorgehen (um das einmal ganz ganz vorsichtig auszudrücken).
 
Und wenn unsere Politik nicht so sehr mit sich selbst beschäftigt wäre könnte sie sich dieses Problems annehmen, wenn auch mit geringen Erfolgschancen. So ist das eben im liberalisierten Weltmarkt, Apple bezahlt schließlich nach letzten Informationen auch nirgendwo Steuern. Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass Adwords Kampagnen die Umsätze heimischer Unternehmen steigern und dadurch die Wirtschaft beleben. Aber das wäre ja in etwa so als würde ich als Unternehmer sagen “Ich bezahle meine MitarbeiterInnen, die mit diesem Geld einkaufen gehen und deshalb ist es gerechtfertigt, dass ich keine weiteren Steuern abführe”. Zugegeben – mit Aussagen dieser Art haben sich schon einige Steuerbetrüger im großen Stil mediale Aufmerksamkeit verschafft, blöde bleibt die Aussage trotzdem. Zumindest für mich als österreichischer KMU. BTW: Hat eigentlich außer mir noch jemand den Eindruck wir wären die letzen Dummen die sich an alle Vorgaben halten (müssen)?
 
Hat die Aufregung am Ende mit der Presseförderung zu tun? Die lag 2012 bei ca 11 Millionen Euro, der VÖZ forderte eine Erhöhung auf 50 Millionen. Wäre Google ein österreichisches Unternehmen ginge sich eine direkte Querfinanzierung jedenfalls aus. Ist es das? Wer hat jemals behauptet das alles wäre fair? Wer spricht darüber ob unsere heimischen Medien ihre überaus wichtige Funktion noch erfüllen? Wofür wird Stimmung gemacht? Welches Klima provoziert? Welche Motivation geweckt? Allen, die sich für dieses Thema interessieren möchte ich eine Studie der Uni Wien aus 2012 im Auftrag des BKA ans Herz legen, 296 Seiten, die alle diskussionswürdigen Details in sich tragen. Auflagen sinken, Abonnentenzahlen sinken, Werbeumsätze sinken. Eine Umstrukturierung folgt der nächsten, aus Angestellten werden Freelancer und eine wachsende Gruppe aus Prekären bricht unter der Last des Shareholder Value in sich zusammen. Ich kann mich auch persönlich an Zeiten erinnern, als Banner TKPs noch ordentlich über 50,- gekauft wurden, den Preiskampf zwischen den Verlagen und die damit verbundene Abwärtsspirale der Profitabilität hat nicht Google initiiert.
 
Das alles ist mit einigem Aufwand dokumentierbar, die Zahlen sind öffentlich, gerne ein andermal. Persönlich finde ich es schade, dass eine öffentliche Diskussion hierzu nicht stattfindet. Es würde mich ehrlich interessieren was die relevanten Personen darüber denken, was die Öffentlichkeit darüber denkt. Es könnte das letzte Verbleibsel der Monarchie in den österreichischen Genen sein, das es nur dem Hofnarren erlaubt, seine wahre Meinung ungeschönt auszusprechen. Und Könige können keine Hofnarren sein. Also wird geschwiegen und angegriffen.
 
Aber liebe LeserInnen, ich bin weder König, noch Hofnarr, kein Whistleblower und auch kein Prophet. Alles hier Geschriebene könnte ganz andere Hintergründe haben, ganz anders sein. Vielleicht liege ich völlig daneben. Gut zu wissen, dass ich mir das erlauben darf. 
 
 

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Blogverpflichtung

Ich habe mich breitschlagen lassen. Wollte es nicht tun. Eben weil ich ja weiß dass es Aufwand ist, dass es regelmäßiger Aufwand ist und ich meine ohnehin spärliche Freizeit lieber in Kontaktpflege investiere. so isses.

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Cookies

Die größten Schwierigkeiten liegen da, wo wir sie nicht suchen. (Johann Wolfgang von Goethe)

Cookies. Kleine Textfiles die am Computer oder im Browser abgelegt werden um “etwas” zu tun, z.B. Informationen zwischen Programmen austauschen oder zu Archivierung geschehen oder eben HTTP Cookies die meist im Browser abgelegt werden um beim Wiederbesuch einer Website UserInnen wiederzuerkennen. Genauer gesagt kann man unterscheiden zwischen

–       Session Cookies

–       Persistenten Cookies

–       First-Party-Cookies

–       Third-Party-Cookies

Obwohl – UserInnen stimmt nicht wirklich, richtiger ist dass ein Rechner wiedererkannt wird, und einen Rechner können ja mehrere Personen nutzen so wie es vorkommen soll dass eine Person mehrere Rechner nutzt. Wäre es nicht so könnte sich die ÖWA Plus und somit die werbefinanzierten Onlinemedien einiges an Aufwand und Kosten bei der Berechnung der Multiuser ersparen.

Cookies haben einen schlechten Ruf. Bei manchem drängt sich der Eindruck auf man würde ausspioniert, wohingegen Empfehlungen auf Amazon selten als störend empfunden werden, ebensowenig wie ein automatisches Login (auch wenn dieses Cookie anders abgelegt wird, aber das wird zu kompliziert). Man sorgt sich um die Privatsphäre, in diesem Zusammenhang ist es umso spannender dass es parallel dazu ziemlich normal geworden ist die eigene Oma im Nachthemd auf Facebook zu veröffentlichen.

Die EU hat agiert und 2009 einen Gesetzesentwurf verabschiedet dem ein langer Lobbying Prozess der Interessensverbände digitale Industrie voranging. Im ursprünglichen Entwurf hätte im Interesse des Konsumentenschutzes jedes Cookie mit „Opt-In“ bestätigt werden müssen. Und wer jetzt wissen möchte was „Opt-In“ in der Realität bedeutet kann das hier sehen. Nicht so erfreulich, kann ein solcher Zustand – denn anders kann man es doch nicht nennen – tatsächlich im Interesse der UserInnen sein? Oder trifft hier viel mehr der Spruch „das Kind mit dem Bade ausschütten“ zu?

In der folglich abgestimmten Version reicht es, wenn UserInnen in ihren Browsereinstellungen Cookies akzeptieren. Die Anbieter stellen UserInnen die Möglichkeit zur Verfügung, sich aktiv auszutragen – das nennt man dann “Opt-Out” und es funktioniert z.B. so. Wie alle EU Gesetze sollte auch dieser Vorschlag innerhalb einer Frist von 18 Monaten in den Ländern ratifiziert werden. Doch leider scheint da etwas kräftig schief zu laufen, wie diese Landkarte Cookie EU zum aktuellen Stand der Lage zeigt. Gelebter Beweis für die Ambivalenz zwischen EU Vereinheitlichung und nationalstaatlichen Interessen. Denn so wie zuvor in Brüssel traten in den letzten Monaten auf nationaler Ebene die Interessensvertretungen an um die Interessen der digitalen Industrie vor signifikanten Problemen zu schützen.

In Österreich waren das namentlich IAB, DMVÖ und ÖWA.  Nachdem weit über der 18monats Frist endlich ein Vorschlag des Gesetzgebers bei der WKÖ zur Begutachtung vorgelegt wurde war man zurecht etwas verwundert darüber, was der österreichische Gesetzgeber aus den Brüsseler Vorschlag gemacht hat. Originaltext und die rechtliche Stellungnahme im Wortlaut steht IAB Mitgliedern im geschützten Bereich der Website zur Verfügung. Und obwohl man sich auf Expertenebene traf war schnell klar, dass das Thema wesentlich komplexer ist als gedacht – es geht um eine Kombination aus technischem Verständnis, wirtschaftlichen Interessen und viel nötiger Aufklärungsarbeit auf allen Seiten, also von UserIn bis zum Gesetzgeber.

In der Werbung werden Cookies für eine Vielzahl an Optimierungs- und Messszenarien herangezogen, hier ein paar Beispiele:

–       Adserver

–       Behavioural Targeting (Spitzen Video, danke nugg.ad *g*)

–       Predictive Behavioural Targeting (etwas „wissenschaftlicher“)

–       Retargeting (also ich habe kein gutes Video dazu gefunden, Sie vielleicht?)

–       Reichweiten Messung

Nochmal: Hier werden via Cookie Rechner gemerkt – der Anbieter weiß nicht ob dahinter Herr Maier aus Dornbirn oder Frau Müller aus Graz sitzen. Ordentliche Anbieter sorgen für den Schutz der Nutzer, alles andere wäre ein Schuss ins eigene Knie.

Wer das so ganz und garnicht nicht möchte kann die Opt Out Funktion nutzen, die Seite http://www.meine-cookies.org/ wird es auch für Österreich geben. Eine entsprechende Selbstregulierungsmaßnahme im Sinne aller Beteiligten wird derzeit im Österreichischen Werberat erarbeitet. Ein Teil davon ist die transparente, verständliche Beschreibung der genutzten Technologien um aus dem Schreckgespenst Cookie das zu machen was es ist – ein Mittel um Werbung statistisch gezielter auszuliefern. Hier wird nicht getrixt, belauert oder datengeklaut.

Digitale Medien sind zum Großteil werbefinanziert. Diese Cookie gesteuerten Targetingansätze werden zum Vorteil der UserInnen eingesetzt um z.b. zu verhindern, dass ein Pop Up oder andere Overlay Formate mehrmals bei einem Besuch angezeigt werden oder um die Chancen, Werbung zielgerichteter an UserInnen zu adressieren zu erhöhen.

Was wäre eigentlich die Alternative? Für Inhalte im Internet zu bezahlen. Und angesichts der Tablet / App Entwicklung scheint das heute garnicht mehr so abwegig wie noch vor 2 Jahren. Egal wie – Ich bin sicher dass unsere Qualitätsmedien für die Zukunft gut gerüstet sind.

Und was meinen Sie?

P.S. Interessant auch die unterschiedlichen Zugänge zum Thema. Denn während ich hier „im Thema“ erkläre interessieren sich die offiziellen Stellungnahmen für:

– Der Gemeindebund braucht mehr Rechte und will mehr über Infrastrukturausbau (hört hört!!) wissen LINK

– Die Wiener Landesregierung MA Geschäftsbereich Recht Verfassungsdienst und EU Angelegenheiten denkt an die Betreiber, will „Hauseinführung“ nicht mit „Gebäudezugang“ verwechselt haben und anerkennt in 1Z7 die Tatsache dass es sich um „statistische“ Auswertung handelt LINK

– Das Bundesministerium für Finanzen will mehr über die Darstellung der finanziellen Auswirkungen wissen LINK

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Virtuelle Freundschaft oder “Der Tyler Durden Effekt”

Außnahmsweise geht es hier nicht um Facebook und was man dort nicht für tolle Sachen machen kann. Vielleicht ein bisschen, aber eben nur als Teil eines “ES” welches schon lange vor Facebook dem www Leben eingehaucht hat. Das was heute unter dem Begriff Social Media zelebriert und vorrangig mal mit Facebook assoziiert wird besteht zu großen Teilen nach wie vor aus dem guten alten Forum, den Postings und anderen Formen von Webgemeinschaften. Wer nie Teil einer solchen Community war – und ich meine wirklich Teil davon – dem ist nur schwer erklärbar was “ES” ist. Es muss ja nicht gleich eine Gilde sein, aber der harte Kern (er)kennt einander und in der Gruppe entsteht Dynamik. Dazu muss man einander nicht in der “echten Welt” kennen, es ist manchmal explizit gewünscht diesen Zustand in der Realität nie erleben zu wollen. Jawohl. Es geht um virtuelle Freundschaft. Das www ist ein Raum mit seinen eigenen ungeschriebenen Gesetzmäßigkeiten – ich nenne diese Lex digitalis.

Menschen die “ES” nie erlebt haben identifizieren sich selbst durch eine gemeinsame Schnittmenge an Aussagen zum Web, welche Sie sich ganz leicht merken können. Hier 2 Beispielsätze:
– “Erklären Sie mir was das Internet besonders macht.”
– Bei Werbern beliebt: “TV vermittelt Emotionen. Und Internet? Wenn Sie mir das nicht erklären können haben Sie Ihre Hausaufgaben nicht gemacht.”
Mir würden da noch beliebig viele Statments einfallen, aber ich will ja niemanden mehr langweilen als nötig. In gewisser Weise habe ich akzeptiert, dass man echten Elefanten das Fliegen nie beibringen wird und das ist auch gut. Es ist, was es ist.

Bestimmt bin ich keiner dieser zwangsneurotischen Nerds, die in einer Welt leben wo alles total digital ist – ich schätze meine Sonntagszeitung in Papierform und mein erster kaufmännischer Taschenrechner mit Papierrolle dran war für mich mindestens so aufregend wie die Anschaffung des iPads. Man muss da auch nicht überall dabei sein, ich verstehe Menschen die der Welt nicht mittels Foursquare zeigen wollen wo sie sich gerade aufhalten oder darauf abgehen wenn sie sich ein Pickerl verdienen und Bürgermeister vom Mistkübel an der Ecke werden.

Ich bin einfach jemand, der diese Welt als eigenständig agierenden Kosmos, als so eine Art Supermechanismus versteht und dem bewundernd gegenüber steht. Das sind spannende Zeiten, ich bin kein Digital Native, aber ich war von Anfang an ganz dicht an der Entstehung der digitalen Wirtschaft dran, sozusagen 1. Reihe fußfrei. Da sind viele gekommen und gegangen, erst haben wir uns vor Microsoft gefürchtet, dann vor Google, jetzt ist Facebook der schlimme Finger und das wirds bestimmt noch nicht gewesen sein. So wie die wirkliche Wirklichkeit ist die digitale Welt Schwingungen unterworfen und manchmal gehen die Wogen besonders hoch, zumindest dem Anschein nach. Gutes Beispiel dafür war auch der Y2K Hype, da gabs viele die wirklich Angst hatten vor dem was geschehen könnte, wenn plötzlich alle Daten verpuffen. Alles relativ. Ich schweife ab, passiert mir immer wieder…

Aber was ist jetzt mit dem Tyler Durden Effekt?

Man könnte meinen, dass virtuelle Freundschaft flüchtig ist, nicht echt. Kann sein. Muss aber nicht sein. Sie ist was sie ist und unterscheidet sich von realen Freundschaften nur in ihrer Form. (Wikipedia: Virtualität spezifiziert also eine gedachte oder über ihre Eigenschaften konkretisierte Entität, die zwar nicht physisch, aber doch in ihrer Funktionalität oder Wirkung vorhanden ist. Somit ist “virtuell” nicht das Gegenteil von “real” – obwohl  es fälschlicherweise oft so verwendet wird – sondern von “physisch”.)

Welcher Art ist die Beziehung zu einem Menschen, der nicht mehr als ein sprechender Nickname ist? Ohne Gesicht, Umfeld, Stimme, nur eine Erfindung? Hierzu ein kleines spontanes Experiment:

Das Tyler Durden Experimentchen

Was ich damit sagen will? Vorerst nichts bestimmtes, aber das wird schon noch 🙂

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immer noch gültig

Das mit dem bloggen ist so eine Sache, ich habs mir x-mal vorgenommen und es wollte sich einfach keine Kontinuität einstellen.  An den Ideen liegt das nicht, die lauern ohnehin hinter jeder Ecke. Unübersehbar, auch das nervt ab und an. Fürs erste übe ich mich also in Wiederholungen. Diesen Artikel habe ich vor bald einem Jahr für be24.com geschrieben – wirklich nette Menschen dort, muss mal gesagt werden.

Also: Choose Optimism. Trotzdem oder gerade weil:

Hart aber Fair.

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Henryk Broder über Michel Friedman (via Sendungsbewusstsein)

ich schau gerade http://www.youtube.com/watch?v=t6nZT1MssGg und bin dabei über diesen artikel gestolpert – einfach herrlich

…und schon wieder hat es gebrodert, und schon wieder ein Volltreffer (Link): Thilo Sarrazin hat gesagt, Michel Friedman wäre ein Arschloch. Weil ein Mann von Welt ein Kompliment, das ihm gemacht wurde, nicht für sich behalten kann, rennt Friedmann zur BILD-Zeitung und erzählt ihr, was Sarrazin über ihn gesagt hat. Die macht daraus eine Titelgeschichte. Jetzt wissen fünf Millionen BILD-Leser, dass der Sarrazin den Friedman ein Arschloch genannt … Read More

via Sendungsbewusstsein

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